Verkehrsunfall B3a ’09

FF Bad Nauheim inszeniert typischen Frontalzusammenstoß mit drei Opfern auf fast fertigen B3a-Teilstück.

Zwei Personen stecken regungslos in ihrem Fahrzeugwrack. Ihr silbergrauer Mazda ist am Montagabend auf dem neuen Teilstück der Bundesstraße 3a mit einem roten Kleinbus zusammengestoßen, der auf die Gegenfahrbahn geraten war. Während der Fahrer des Busses nur einen leichten Schock davonträgt, sieht es für die Insassen des Pkw schlecht aus. Innerhalb von Minuten rückt die Feuerwehr an und beginnt einen zwanzigminütigen Kampf um Leben und Tod. Mit schwerem hydraulischen Gerät schälen die Brandschützer die Verletzten aus dem Blechhaufen. Dann ist die Rettungsübung gelaufen.

Ein solches, wenig wünschenswertes Szenario stellen die Einsatzkräfte der Bad Nauheimer Feuerwehr nach. Um ihre zwanzig, meist freiwillig tätigen Brandschützer auf den Ernstfall vorzubereiten, haben Stadtbrandinspektor Ronald Neumann, Wehrführer Kay Wilde und Zugführer Jens Christiansen einen Frontalzusammenstoß auf einem Teil der noch nicht eröffneten neuen Bundesstraße arrangiert. Solch ein Unfall kommt etwa einmal pro Monat vor, erklärt Zugführer Christiansen, der die Übungseinheit bis ins Detail geplant hatte

Wie im Ernstfall sind auch an diesem Abend nur freiwillige Feuerwehrmänner im Einsatz. „Nach Dienstschluss unserer Hauptamtlichen würden im Ernstfall alle in ihrer Freizeit alarmiert“, erörtert Wehrführer Wilde. Die Einsatzkräfte rücken mit einem TLF (Tanklöschfahrzeug) einem Löschfahrzeug LF 16, einem Rüstwagen und einem Einsatzleitwagen über die noch unmarkierte Teilstrecke aus Richtung Kreisstraße 13 an. „Eigentlich ist der Rettungsdienst zuerst vor Ort“, sagt Christiansen, „von ihm werden wir alarmiert, wenn wir Menschen aus ihren Fahrzeugen befreien müssen.“

Die Männer schleppen hydraulisches Gerät an, das per Generatorstrom aus den Einsatzfahrzeugen versorgt wird: zwei Rettungsscheren und zwei Spreizer. Zum Aufsäbeln der Frontscheibe außerdem ein „Glasmanagement“, ein überdimensionales, grobgezacktes Messer, das sich knirschend und knackend durch das Scheibenglas frisst. Die Spreizer haben zuvor die Beifahrertür aufgebrochen und aus der Verankerung gerissen. „Wenn Airbags während der Rettungsarbeiten explodieren, kann das nicht nur für die Verletzten, sondern auch für die Retter gefährlich werden“, berichtet der Zugführer über die Notwendigkeit, im Vorfeld ein „Airbag-Scanning“ vorzunehmen, also eine Kontrolle, um die Gefahr richtig einschätzen zu können.

Nachdem die erste (künstliche) Person vorsichtig aus der Blechlawine gezogen und auf einer Trage abtransportiert wird, gehts am Unfallort ans Eingemachte. Mit Rettungsscheren wird das Dach vom Rahmen losgeschnitten, bis es sich nach Minuten endlich wie der Deckel einer Erdnussdose nach hinten klappen lässt und dort fixiert wird. Die Retter steigen ein, stützen den Kopf des Fahrers, um die Wirbelsäule zu entlasten. Ein „Spine-Board“ muss her, eine orangefarbene Plastikplatte, die eine feste Unterlage für das Rückgrat (englisch Spine) bilden soll. Auch der zweite Dummy kommt heil aus dem Unfallauto.

Dann ist Aufräumen angesagt. Glassplitter und Metallreste werden weggefegt. „Im Normalfall säubern wir die Fahrbahn nur von Kraftstoffspuren oder größeren Splittern, aber hier muss alles weg“, so Christiansen. Immerhin sei die Straße noch funkelnagelneu. „Wir sind dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Gelnhausen sehr dankbar, dass wir in dieser Location üben durften. Selbstverständlich ist das nicht“, betont Stadtbrandinspektor Neumann. Allzu selbstverständlich ist leider, dass in langgezogenen Kurven wie auf dem besagten Teilstück Frontalzusammenstöße keine Seltenheit sind.

Text: Wetterauer Zeitung vom 10.06.2009
Bilder: Jens Christiansen